©Natalie Bothur
©Natalie Bothur

Früher war ich jung, ausgeschlafen und hatte am Wochenende frei!

Heute bin ich rabenmutter.

Am Anfang war alles rosarot: geplant schnell schwanger, glücklich, dachte, so schlimm kann es doch nicht sein. Und dann kam MEIN Baby und alles wurde anders…

 

 

Gut, ich hatte Glück und die Pfunde der Schwangerschaft waren durchs Stillen, Stress und schlichtweg Überforderung schnell verloren, aber wo ist die Frau geblieben, die ich einmal war?

 

Die hatte sich in eine Milchkuh verwandelt, in einen übermüdeten Zombie, durch monatelangen Schlafentzug.

 

Die wallenden Haare nicht mehr auf Wicklern, sondern im Waschbecken.

Konzentrationsvermögen? Was ist das?!

Gekocht, wurden nur noch Fläschchen. Angezogen, nur noch was sauber war. Nägel statt lackiert, vor Verzweiflung abgekaut.

 

Sein wir doch mal ehrlich: Am besten geht es immer dem Sprössling. Farblich abgestimmt gekleidet, wird er Tag täglich durch die Gegend geschoben, oder vorzugsweise getragen, weil er sonst schreit. Neben diesem Sonnenschein wird die (eh total fertige) Mama gar nicht mehr wahrgenommen.

 

Ich sollte stolz sein, für mein süßes liebes Baby, klar bin ich stolz.

Stolz ist auch der Papa, egal was sein Sohnemann macht und wenn nicht, ist es ja MEIN Sohn.

Süß?! Natürlich! Wenn andere anwesend sind.

Lieb?! Bestimmt, nur nicht nachts…

 

Die Selbstaufopferung musste ein Ende haben. Nur, was tun?

Einen Halbtagsjob als Schauspielerin???

Das Kind 5 Tage 10 Stunden in fremde Hände geben? Keine Option.

 

Also: Kind der Oma abgeben, nicht nur wenn sie fragt, sondern ganz klar die Oma-Karte spielen!

Und dann vielleicht erstmal duschen, abschalten, und auf andere Gedanken kommen.

 

So kam ich zum Nähen, Entspannung pur. Als emotional geladene Mama, endlich mal Geld für mich ausgeben und nicht für neue Klamotten für Junior. Also investierte ich jeden Cent hemmungslos in Stoffe.

 

Ich würde gerne von mir behaupten, dass ich es war, die die Idee mit „rabenmutter“ hatte. Aber es war mein Mann. Er wies mich dezent darauf hin, dass er im Schrank gerne wieder seine Klamotten finden würde anstatt Stoffballen und Nähergebnisse. Und sein Computer ab und an auch mal Strom braucht und nicht nur meine mittlerweile drei (!) Nähmaschinen. „Du brauchst einen Laden, oder Atelier!“

Er hatte ja Recht. Gedacht getan.

 

Das war 2013.

 

Heute sitze ich in meinem Atelier. Auf dem Weg dahin, habe ich mich wiedergefunden.

 

Organisiere meinen Sprössling gerne weg und arbeite wieder. Ziehe mir was Hübsches an, lacke die Fingernägel, sitze neben meinem Sohn und schreibe Emails, tätige Bestellungen, während er alleine mit Autos spielt.

 

Ich liebe es Mama zu sein und ja, ich fühle mich ab und zu wie eine Rabenmutter, aber es fühlt sich richtig gut an.

 

Eure Verena